Leica M im Praxistest
Ich hatte die Gelegenheit, eine Leica M eine Woche lang im Alltag zu testen. Möglich gemacht wurde das in Zusammenarbeit mit RCE Foto. Schon lange stand Leica auf meiner persönlichen Wunschliste, denn die Leica M gilt nicht ohne Grund als eine der begehrtesten Kameras der Welt. Der Test erfolgte mit einem 50-mm-Objektiv aus den 1970er-Jahren, was dem Ganzen von Anfang an einen besonderen Charakter verliehen und mich neugierig gemacht hat.
Erster Eindruck
Schon beim ersten Einschalten war klar: Die Leica M ist keine Kamera für den schnellen Einstieg. Der Messsucher erfordert Übung, vor allem wenn man – so wie ich – sonst hauptsächlich mit spiegellosen Kameras von Fujifilm arbeitet. Das manuelle Fokussieren verlangte mir anfangs Konzentration und Geduld ab. Besonders im Fotowalk wurde mir deutlich, wie sehr sich diese Art der Fotografie von modernen Autofokus-Systemen unterscheidet.
Auch die Menüführung fühlte sich zunächst ungewohnt an. Wenn man berücksichtigt, dass das System 2013 auf den Markt gekommen und dadurch in die Jahre gekommen ist, war das Menü dennoch intuitiv.
Verarbeitung und Design
Die Verarbeitung ist, wie man es von Leica erwartet, auf sehr hohem Niveau. Der Body besteht aus einem massiven Bauteil und fühlt sich extrem hochwertig an. Durch das etwas höhere Gewicht liegt die Kamera sehr stabil in der Hand. Optisch orientiert sich die Leica M stark an klassischen Filmkameras. Das Design wirkt retro, aber gleichzeitig zeitlos – ein typischer Leica-Look.
Die Bedienung ist angenehm minimalistisch. Es gibt nur wenige Tasten und Rädchen, wodurch die Kamera sehr übersichtlich bleibt. Trotz des Alters ist das Menü logisch aufgebaut und leicht verständlich.
Ein Punkt, der mich im Alltag gestört hat, ist die Position des SD-Karten- und Akkufachs. Um Akku oder Speicherkarte zu wechseln, muss die Bodenplatte entfernt werden. Das verhindert schnelles Wechseln unterwegs und reißt einen aus dem fotografischen Flow.
Messsucher
Der Messbecher war für mich zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Ich war durch die Fuji X100VI mehr Informationen im Messbecher gewöhnt und musste mich erst einmal an die Ansicht der Leica gewöhnen. Besonders das Fokussieren viel mir anfangs etwas schwer. Nach etwas Übung wurde ich jedoch mit dem System warm und die Arbeit viel mir zunehmend leichter.
Bildqualität
Berücksichtigt man das Alter der Kamera, ist die Bildqualität nach wie vor überzeugend. Besonders spannend war das Zusammenspiel mit dem rund 50 Jahre alten Objektiv. Die Bilder hatten einen ganz eigenen Charakter. Sie waren nicht klinisch scharf, die Farben wirkten etwas blasser, aber genau das verlieh den Fotos ein interessantes, fast analoges Flair.
In der Nachbearbeitung viel mir leichte Unschärfe in den Bildern auf, was auch am manuellen Fokussieren oder am Alter des Objektivs gelegen haben kann.
Wenn der Fokus richtig saß, waren die Bilder trotzdem scharf und ließen sich gut bearbeiten.
Fazit
Technisch ist die Leica M ohne Frage in die Jahre gekommen. Trotzdem macht es immer noch große Freude, mit ihr zu fotografieren. Die Bildqualität ist absolut ausreichend, die Verarbeitung hervorragend und die Bedienung wirkt entschleunigend. Man ist mehr im Moment, nimmt sich Zeit für Einstellungen und blickt bewusst durch den Messsucher.
Für schnelles Point-and-Shoot oder hektische Street-Fotografie ist die Leica M nach meinem einwöchigen Test für mich nicht die ideale Wahl. Dafür gibt es modernere Kameras mit leistungsstarkem Autofokus. Wer jedoch Fotografie bewusst erleben und genießen möchte, findet in der Leica M einen ganz besonderen Begleiter.